Sport aus Mainz
RHEINHESSENLIGA | GUIDO STEINACKER | 20.11.2017
Als wäre es ein Spitzenspiel
Vorige Saison ging es bei diesem Duell um den Titel, diesmal kamen die Sportfreunde Budenheim II als Mittelfeldteam zum Rheinhessenliga-Knaller zum TV Bodenheim. Erst schien der Tabellenführer klar zu dominieren, am Ende musste er um das 25:25 (14:10) froh sein.

Paul Kijowsky fand den Weg zum Tor von allen Feldspielern am häufigsten und trug acht Treffer zur Ausbeute des TV Bodenheim bei.
Paul Kijowsky fand den Weg zum Tor von allen Feldspielern am häufigsten und trug acht Treffer zur Ausbeute des TV Bodenheim bei. | Bernd Eßling
Bodenheim. Es ist eine der Überraschungen der neuen Runde in der Handball-Rheinhessenliga der Männer, dass die Sportfreunde Budenheim II im ersten Saisondrittel satte sechs Punkte Rückstand auf Tabellenführer TV Bodenheim aufgebaut haben. Nur zwei davon haben zwar mit den sportlichen Ergebnissen zu tun, dennoch war das vor der Runde nicht abzusehen. Somit war es rein an der Tabelle orientiert eben kein Spitzenspiel, als die Budenheimer nun beim Ersten vorbeischauten.

Alle taten dennoch so, als ginge es wie in der Vorsaison beim Duell dieser Vereine um die Punkte für den Titelkampf in der Rheinhessenliga. Und das durchaus zurecht, denn der Meister aus dem Tabellenmittelfeld knöpfte dem TV Bodenheim beim 25:25 (14:10) als erstes Team der Saison in dessen Halle einen Punkt ab.

In den ersten 13 Minuten überrollte der TVB die Sportfreunde geradezu, die vor allem offensiv nichts auf die Reihe brachten (8:1). SFB-II-Trainer Volker Schuster tat, was Trainer in solchen Situationen tun müssen und nahm die Auszeit. Fortan gingen die Budenheimer in einer 5-1-Deckung zu Werke, und der Mann da vorne, Dominik McLaurin, wurde zum auffälligsten Akteur der Sportfreunde, vor allem als dynamischer Mittemann im Angriff – so dynamisch, dass Spielertrainer Volker Schuster ihn in der hektischen Schlussphase sicherheitshalber auf die Rechtaußenposition versetzte und Daniel Marckart die Mitte übergab.

Kleinjung beklagt Verunsicherung durch Schiedsrichter

Mit der Umstellung der Gäste war die beste Phase der Bodenheimer vorbei. Bis zum 12:9 (25.) schmolz der Vorsprung in gerade elf Minuten zusammen. Für TVB-Trainer Jürgen Kleinjung ging es bei dem Verlust der Linie nicht um die gegnerische Defensivformation und was seinen Spielern dazu einfiel oder auch nicht, sondern hauptsächlich um die Verunsicherung, die die Saulheimer Schiedsrichter in seinem Team auslösten. Torsten Wethlow und Régis Feddersen hätten „nur noch gegen uns gepfiffen“, sagte Kleinjung, belegt durch drei Zeitstrafen gegen seine Mannschaft bis zur Pause.

Nach dem Seitenwechsel gab es vor allem bei den Siebenmetern einen klaren Überhang von 5:1 zugunsten der Budenheimer, den Kleinjung ebenso wenig gerechtfertigt sah. Er fand es vor allem für die Zuschauer schade, dass auf die Art aus einem Vergleich zweier starker Rheinhessenligamannschaften ein zerfahrenes Spiel entstanden sei.

Da kann man den TVB-Trainer beruhigen: Von der Tribüne auch betrachtet, wurde den Anhängern der Teams trotzdem oder auch gerade wegen der Aufreger um manche Entscheidungen ein intensives Spiel geboten, das in Sachen Tempo und Dynamik ein deutlich höheres Niveau bot als etwas das kurz zuvor beendete Duell zwischen dem Vorjahresdritten HC Gonsenheim und Oberligaabsteiger TV Nieder-Olm in Mainz.

Vier-Tore-Vorsprung als Beruhigung

Kleinjung fand zur Pause durchaus, dass die vier Tore Vorsprung durchaus eine ausreichende Basis boten, um Ruhe zu bewahren und die Budenheimer auf Distanz zu halten. Eine gute Viertelstunde lang funktionierte das auch durchaus (21:16, 48,), doch dann brauchten die Sportfreunde II gerade acht Minuten, ehe – natürlich – Dominik MacLaurin die erste Gästeführung der Partie herauswarf (22:23, 56.).

Es hatte auch nichts mit Schiedsrichterentscheidungen zu tun, dass die Bodenheimer das Zusammenschmelzen ihres Vorsprungs durch zwei unforcierte Ballverluste hintereinander selbst einleiteten. Beim 21:19 nahm Kleinjung daher eine Auszeit (50.), konnte die Entwicklung aber nicht mehr aufhalten. Die Verstärkung der Budenheimer aus dem Oberligateam, Johannes Sturm, knallte den Bodenheimer nach Wiederbeginn zwei Rückraumwürfe in die Maschen, die den Gastgebern den Plan verdarben, sich wieder deutlicher abzusetzen.

Budenheimer Auszeit kurz vor Schluss

Weiter absetzen als um ein Tor konnte sich in der Schlussphase aber keines der Teams, die drei letzten Führungen gehörten allerdings allesamt den Gästen. Kreisläufer Fabian Racky brachte die Sportfreunde mit 25:24 in Führung (58.), Matthias Carl glich 45 Sekunden vor dem Ende aus – Zeit für Schusters nächste Auszeit. „Wir wollten einfach den Punkt mitnehmen“, erläutert der Spielertrainer, dass es nicht angesagt war, noch einmal etwas erzwingen zu wollen.

Versuchte das Team dann aber natürlich doch, verlor den Ball, Armin Henke startete durch, doch der Steilpass von Matthias Carl zwei Sekunden vor dem Ende kam zu ungenau. Außerdem hätte die Zeit nicht mehr gereicht für den Abschluss. Schuster resümierte trotz der deutlichen Annäherung an die Form der Vorsaison ein in manchen Belangen durchaus normalen Auftritt seines Teams. „Wir spielen eigentlich immer ganz gut, aber wir scheitern an unseren Würfen.“