Von Frederik Voss

KERSTIN SINSEL Die ehrgeizige Trainerin leitet die Turntalentschule des TV Bodenheim

MAINZ - Neun bis zwölf Stunden in der Woche steht Kerstin Sinsel in der Trainingshalle. „Um die Mädchen noch besser zu machen, müssten es eigentlich noch mehr sein“, sagt die Trainerin der Turntalentschule des TV Bodenheim. Mädchen im Alter ab fünf Jahren trainieren bei Sinsel und träumen oft schon ganz früh von einer großen Karriere auf Barren, Balken und Boden. Kerstin Sinsel ist ehrgeizig.

„Wir probieren, das Beste aus unseren Rahmenbedingungen herauszuholen“, sagt sie. Aber eigentlich müssten es 25 oder 30 Stunden in der Woche sein, um dem Nachwuchs die bestmögliche Förderung zu bieten. Und doch ist die 39-Jährige stolz auf das, was sie in den vergangenen knapp zehn Jahren mit der Turntalentschule und vielen jungen Turnerinnen erreicht hat. Dabei bleiben soll es aber nicht. „Wir wollen durchstarten.“

Stufenbarren ist ihr Lieblingsgerät

Im Moment arbeitet Kerstin Sinsel mit den Mädchen und den anderen Trainerinnen der Fördereinrichtung in der Turnhalle der Mainzer Uni. Am liebsten übt Sinsel mit den jungen Turnerinnen am Stufenbarren. „Da kann man viel halten, viel Hilfestellung geben. Das ist sehr technisch“, sagt sie, muss aber auch gestehen, dass viele der Mädchen das schwierige Gerät lieber meiden. „Die meisten mögen den Boden am liebsten.“ Aber die Trainerin geht nur selten den leichten Weg, strebt nach mehr, strebt nach dem Besten. „Ich habe schon hohe Ansprüche“, sagt sie. „Ich bin schwer zufriedenzustellen.“

Als Kind turnte die Mainzerin selber, „aber nicht besonders gut“, wie sie sagt. Trotzdem ließ sie die Sportart nie los. „Es ist die Vielseitigkeit. Man braucht Mut und Konzentration, dazu Kraft und ist gleichzeitig grazil.“ Diese Faszination verfolgt sie nun schon seit mehr als 20 Jahren als Trainerin. Am Anfang noch im Auswahltraining des Leistungsstützpunktes des Rheinhessischen Turnerbundes, den der Verband jedoch aufgrund von finanziellen und organisatorischen Problemen schließen musste. Der TV Bodenheim sprang ein und bietet den besten Nachwuchsturnerinnen in Rheinhessen seit 2009 ein Zuhause – und das sogar unter dem Prädikat „Turntalentschule“ des Deutschen Turner-Bundes.

 

Junge Turnerinnen, die ihr Talent in ihren Heimatvereinen oder auf Wettkämpfen zeigen, kommen in die Turntalentschule. 15 Mädchen sind es derzeit, die die vielen Stunden Training in der Woche auf sich nehmen. „Es siebt sich oft von selbst aus“, sagt Kerstin Sinsel. „Das ist nicht ohne.“ Sie betreut ihre Schützlinge auch bei Wettkämpfen, verfolgt die Entwicklung der Kinder über viele Jahre.

Ein nächster Schritt für die Schützlinge kann dann der Bundesstützpunkt in Mannheim sein. Den Sprung schafften etwa Paula Vega und Rebecca Matzon. Matzon turnt inzwischen für die TG Mannheim in der Bundesliga. „Man freut sich, den Grundstein gelegt zu haben, aber es ist auch schwer, die Besten abzugeben“, sagt Kerstin Sinsel.

Erfolge will sie aber weiter feiern. So wie den Vize-Titel am Stufenbarren mit Hanna Lipp bei der Deutschen Jugendmeisterschaft. Das soll die Messlatte sein: vordere Plätze bei nationalen Meisterschaften und die Spitze in Rheinland-Pfalz. „Erfolge sind toll“, sagt die ehrgeizige Trainerin, die hauptberuflich bei der Sportjugend Rheinland-Pfalz arbeitet und zwei Kinder hat. Dass das Streben nach Erfolg und Leistung auch seine Schattenseiten hat, merkt die 39-Jährige aber ebenso. „Wenn das Training mal nicht so gut läuft, denke ich viel darüber nach. Auch die guten Momente genieße ich nur kurz, weil ich alles besser machen will.“ Von ihrem Weg der Nachwuchsleistungsförderung lässt sich Kerstin Sinsel nicht abbringen: Die Sichtbarkeit des Turnens vergrößern, mehr Kinder in den Bundeskader bringen, noch erfolgreichere Jahre sind ihre Ziele. Und dafür tut sie einiges. Gerade erst hat Sinsel in Frankfurt mit vielen theoretischen und praktischen Übungen und Prüfungen ihre A-Lizenz-Prüfung abgelegt. „Ich will mich weiterentwickeln und mehr wissen“, sagt sie. Hinzu kommt wohl noch in diesem Jahr die neue Halle des TV Bodenheim – Schnitzelgrube inklusive. Damit bekommt die Turntalentschule weitaus bessere Trainingsbedingungen. Für Kerstin Sinsel die Chance, mit ihren Turnerinnen noch besser am Traum von einer Karriere an Barren, Balken und Boden zu arbeiten.