Allgemeine Zeitung Mainz, 23.10.2020 von Roland Hessel

 

Weil die Corona-Infektionszahlen immer weiter nach oben klettern, sehen die rheinhessischen Handballer keine andere Chance, als alles auf Null zu stellen.

RHEINHESSEN - Am Wochenende 31. Oktober/1. November wollten die Handballer in Rheinhessen, deutlich verspätet, in ihre Saison starten. Doch auch daraus wird nichts. Wie nicht mehr anders zu erwarten war, hat der Handball-Verband Rheinhessen (HVR) alles auf Null gestellt, den Saisonstart gecancelt und festgelegt, dass am 10. Januar des nächsten Jahres ein neuer Versuch unternommen werden soll, dann eine einfache Runde in den HVR-Ligen, also von der Rheinhessenliga an abwärts, über eine halbwegs reguläre Bühne zu bringen. Schon am 10. Oktober hatten die Vereine ein solches Szenario beschlossen, sollten sich die Corona-Infektionszahlen weiter nach oben bewegen.
Besonders für die Jugend ein bitterer Schlag
„Wir hatten seinerzeit sehr intensiv diskutiert und waren uns einig, dass wir nicht starten können, wenn auch nur in einem der teilnehmenden Kreise die Corona-Ampel auf Rot springt“, erläutert HVR-Vizepräsident Alfred Knab. Die Zustimmung der Vereine hätte bei über 80 Prozent gelegen, der Konsens sei überwältigend gewesen, so Knab weiter. „Wir müssen uns da nichts vormachen. Diese Entscheidung war die einzig richtige“, sagt auch Rainer Besch, der Vorsitzende der SG Bretzenheim, bei der stolze 23 Mannschaften vom verschobenen Saisonstart betroffen sind: „Natürlich ist das für uns, vor allem für unsere Jugend, absolut bitter. Da bist du voll im Training, die Vorbereitung ist fast vorbei – und dann geht es doch nicht los“, beschreibt der SG-Boss die Gefühlslage seiner Mannschaften. „Grundsätzlich gibt es viele Entscheidungen, über die wir zu Zeiten von Corona diskutieren können. Aber über diese des HVR müssen wir es nicht.“ Ähnlich sieht dies auch Gerd Offer, der Vorsitzende des TV Bodenheim: „Die Corona-Zahlen geben ja keine Alternative her. Und wir müssen in diesen Zeiten halt brutal flexibel sein“, erläutert Offer, der nun befürchtet, dass dem Klub im Nachwuchsbereich Spieler verloren gehen können: „Fußball beispielsweise darf ja weiter gespielt werden.“ 
Um dort, wo es erlaubt ist, wenigstens den Wettkampf weiter möglich zu machen, hat der HVR übrigens ganz konkret beschlossen, dass Freundschaftsspiele durchgeführt werden dürfen, sofern die Hygiene-Vorschriften in den entsprechenden Kreisen es erlauben. „Das werden wir, so lange wir dürfen, auch eifrig in Anspruch nehmen“, sagt Gerd Offer, dessen Bodenheimer noch ohne Restriktionen in der Halle trainieren dürfen, obwohl auch im Landkreis Mainz-Bingen am Freitag die Corona-Ampel auf Rot sprang.
Der verschobene Saisonstart hat unterdessen auch Auswirkungen auf die Mannschaftsmeldungen: Bis zum 1. Dezember haben die Klubs nun Zeit, Mannschaften für die verkürzte Runde zu melden oder schon abgemeldete Teams wieder zu „reaktivieren“. Nach diesem Termin wird Knab dann den Vereinen umgehend die neuen Spielpläne zur Verfügung stellen, die alten Pläne werden am 1. November aus dem Netz gelöscht.
Oberliga-Entscheidung fällt nächste Woche
Wie es unterdessen in der Oberliga RPS weitergeht, die derzeit aufgrund der Herbstferien pausiert, wird sich erst Anfang nächster Woche entscheiden. Die Präsidenten der vier teilnehmenden Verbände Rheinhessen, Rheinland, Pfalz und Saar, werden dann in einer Telefonkonferenz beraten. „Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass die Entscheidung der Oberliga der des HVR sehr ähnlich sein wird“, sagt HVR-PräsidentMathias Solms, der selbst für eine Unterbrechung der Oberliga-Saison bis in den Januar plädieren würde. Ein nur kurzfristiges Aussetzen, wie es Hessen bis zum 8. November praktizieren wird, hält der Nieder-Olmer für nicht ausreichend. „Was soll sich denn an der Gesamtsituation bis in zwei Wochen entscheidend verbessert haben?“